Folge 3 – Anleihen, damit das Risiko minimieren?


Anleihen, Schuldverschreibungen, Bonds, festverzinsliche Wertpapiere, Obligationen, Rentenpapiere, Renten – viele verschiedene Wörter, aber eine Bedeutung.

Was sind eigentlich Anleihen? Welche Arten von Anleihen gibt es? Was hat ein Unternehmen / ein Staat davon Anleihen auszugeben? Welchen Vorteil hast du von Anleihen? Welche Relevanz haben Anleihen? Und zu guter Letzt, brauchst du Anleihen?

Nachdem du in der letzten Folge alles wichtige über Aktien erfahren konntest, machen wir heute mit Anleihen weiter – einem weiteren bedeutsamen Wertpapier.

Was sind eigentlich Anleihen?

Zunächst, alle Wörter die du hier oben lesen konntest haben letzten Endes dieselbe Bedeutung. Also wenn du das nächste mal eines dieser Wörter hörst, weißt du um was es geht. 

Anleihen sind Wertpapiere mit einer i.d.R. vorab vereinbarten Verzinsung und dem Recht, am Ende der Laufzeit, den Wert der Anleihe zu 100% zurückgezahlt zu bekommen. Das heißt also, du kaufst eine Anleihe bei einem Emittenten, das kann ein Staat oder ein Unternehmen sein, und bekommst nach der Laufzeit das Geld wieder zurück. Allerdings kannst du Anleihen auch vor Ende der Laufzeit an der Börse verkaufen. Der Kurs der Anleihe kann sich ähnlich zum Preis der Aktie aufgrund von Angebot und Nachfrage verändern. Du hast also nur am Ende der Laufzeit eine Garantie, dass der Preis zu 100% zurückgezahlt wird.

Welche Arten von Anleihen gibt es denn?

Es gibt, wie du sicherlich ganz am Anfang schon gedacht hast, einige verschiedene Namen für Anleihen. Hier einige der gängigen Formen/ Arten:

  • Standardanleihe (engl. straight bond oder auch plain vanilla bond): Kann von Unternehmen (Unternehmensanleihen) oder auch Staaten (Staatsanleihen) emittiert werden und besitzt eine feste Verzinsung, auch Kupon genannt, (meistens pro Jahr) über die gesamte Laufzeit. Unter Verzinsung versteht man einen bestimmten Geldbetrag den ein Kreditnehmer, einem Kreditgeber als Entschädigung bezahlt. Am Ende der Laufzeit wird die Anleihe zu 100% zurückgezahlt. Die Laufzeiten variieren meistens zwischen 5, 7, 10 oder 30 Jahren. Teilweise gibt es auch Anleihen mit 50 oder 100 Jahren Laufzeit, diese sind jedoch meistens von Staaten ausgegeben.
  • Variable verzinsliche Anleihen (engl. floating rate notes): Der Unterschied zur Standardanleihe ist die der Zinszahlung. Der Zins dieser Anleihe orientiert sich an einem Referenzzinssatz (Bsp. Euribor 3-Monatig) und verändert sich zu jeder Zinszahlung in dem Umfang wie sich der Referenzzinssatz verändert. 
  • Stufenzinsanleihe: Bei dieser Form wird eine Art Zins-Treppe im Vorfeld vereinbart, das bedeutet nach jedem Jahr steigt oder fällt der Zins wie vorab vereinbart bis die Laufzeit beendet ist und der Wert der Anleihe zurückgezahlt wird.
  • Wandelanleihe (engl. Convertible Bond): Hierbei handelt es sich um eine Anleihe, bei der am Ende der Laufzeit die Anleihe nicht zurückgezahlt wird sondern in vorab vereinbarte Aktien investiert wird.
  • Nullkuponanleihe (engl. Zero Bond): Bei dieser Anleihe wird kein Zins gelegt, sondern der Gewinn besteht lediglich zwischen der Differenz des Kurses bei der Emission und dem Kurs beim Verkauf.

Nachdem du jetzt einen gewissen Überblick über die verschiedenen Arten hast, stellt sich natürlich die Frage, was haben Staaten oder Unternehmen davon Anleihen auszugeben?

Anleihen stellen eine wichtige Säule in der Finanzierung von Unternehmen und Staaten dar. Möchten diese beiden große Investitionen tätigen, kann das dafür benötigte Geld nicht über Banken eingeholt werden, sondern muss an den Finanzmärkten aufgenommen werden. Ein Unternehmen/ Staat (Emittent) entscheidet sich, mehrere Millionen Euro als eine Art Kredit aufzunehmen und zahlt dafür einen Zins. Privatpersonen, andere Unternehmen oder Staaten kaufen diese Anleihen und geben dafür ihr Geld dem jeweiligen Emittenten. Für ein Unternehmen ist die Ausgabe einer Anleihe deutlich günstiger als die Ausgabe einer Aktie und daher sehr interessant für Sie. 

Der zu zahlende Zins besteht aus einem Referenzzinssatz (Aktuell 0%) und einem Risikoaufschlag, der abhängig von der Zahlungsfähigkeit (Bonität) des Unternehmens bzw. Staates ist. Je höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen nicht mehr Zahlungsfähig ist und insolvent werden könnte, umso höher der Risikoaufschlag.

Hier ein Bsp. damit du dir das besser vorstellen kannst:

Deutschland hat eine der besten Bonitäten der Welt, der Risikoaufschlag ist also gering. Deutschland bezahlt daher bei einer Anleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren einen Zinssatz von 0%. 

Der Autokonzern Daimler, zu dem auch die Marke Mercedes-Benz gehört, bezahlt wiederum für eine Anleihe mit derselben Laufzeit einen Zins von 2,375% pro Jahr. Das liegt daran, dass Daimler innerhalb der nächsten 10 Jahre mit einer höheren Wahrscheinlichkeit insolvent gehen könnte, als Deutschland.

Nachdem wir nun die Vorteile für den Staat bzw. das Unternehmen geklärt haben, kommen wir zu der Frage, welchen Vorteil hast du als Besitzer einer Anleihe?

Wie schon zuvor gesagt, hast du das Anrecht auf eine vereinbarte Zinszahlung und das jedes Jahr. Obwohl die Kurse bzw. Preise für Anleihen schwanken können, sind die Schwankungen i.d.R. wesentlich geringer als bei Anleihen. Anleihen werden deshalb oft auch als ein sehr sicheres Wertpapier eingestuft. Das ist allerdings auch sehr abhängig von der zuvor genannten Bonität des Emittenten. 

Welche Relevanz haben Anleihen?

Anleihen sind als sehr relevant in den Finanzmärkten einzustufen. Gerade bei Banken und Versicherern besteht eine große Nachfrage, nach diesen Wertpapieren. 

  • ca. 7,7 Mio. Deutsche besitzen Anleihen, zum Vergleich, bei den Aktien sind es nur ca. 4,6 Mio. Hier wird der Sicherheitsgedanke der Deutschen Sparer und Anleger wieder sichtbar.
  • Die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 2019 Anleihen mit einem Wert in Höhe von ca. 1,58 Billionen Euro ausgegeben.
  • Griechenland bezahlt für eine Anleihe mit einer Laufzeit von 5 – 10 Jahren einen Kupon von 4,1%, die USA für dieselbe Laufzeit einen Coupon von 3%, Deutschland einen Kupon von 0,4% und die Schweiz von 0,1%.
  • Anleihen mit einem Wert von ca. 4,3 Billionen USD wurden im Jahr 2018 weltweit gehandelt.

Die Relevanz von Anleihen in den Finanzmärkten wird, denken wir gerade mit der letzten Zahl, sehr deutlich.

Da schließt sich natürlich die letzte Frage gut an, brauchst du denn Anleihen?

Jeder Mensch hat ein anderes Sicherheitsbedürfnis. Wenn du ein höheres Risiko bei der Geldanlage eingehen willst, sind sichere Anleihen eher weniger bedeutsam. Möchtest du neben der Chance auf gute Renditen durch Aktien auch ein bisschen Sicherheit, sind Anleihen von Emittenten mit einer guten Bonität definitiv eine gute Idee. 

Wie du Anleihen aussuchst und wie du einschätzen kannst, ob die Bonität eines Unternehmens oder Staates gut ist, erfährst du in einer der kommenden Folgen / Beiträge!

Zu guter Letzt wie gewohnt noch ein Zitat zum nachdenken. Heute von dem Börsenguru – Warren Buffet: 

“Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen was sie tun!”

Warren Buffet

2 Kommentare zu „Folge 3 – Anleihen, damit das Risiko minimieren?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s